
Eingebettet in wildromantische Landschaft: die Smoby-Firmenzentrale in Lavans.
Das neue YO-YO Magazin bietet seinen Lesern erneut die mittlerweile hochgeschätzte Mischung aus Reportagen über die Spielwarenproduktion, Hintergrundberichte aus dem Unternehmen, Mitarbeiterporträts und Brancheninformationen. Die aktuelle Ausgabe widmet die Titelstory der Marke Smoby im französischen Jura. Die Übernahme des Spielwarenherstellers im Frühjahr 2008 war ein Meilenstein in der Geschichte der SIMBA DICKIE GROUP. Heute sind bereits nachhaltige Synergie-Effekte mit den anderen Marken spürbar. Lesen Sie mehr!
Smoby Toys ist auf dem besten Weg
Wenn man die Smoby-Übernahme mit einem Marathonlauf vergleicht, ist die Hälfte der Strecke geschafft. Managing Director Thomas le Paul kann erstmals durchatmen. Er ist, um im Bild zu bleiben, der Trainer beim Dauerlauf im französischen Jura. Eine Zwischenbilanz.

Blickt zuversichtlich in die Zukunft: Managing Director Thomas le Paul vor „Maxi Wood“, dem neuen Klettersystem, das 2010 auf den Markt kommt.
Wenn Thomas le Paul morgens die 45 Minuten zum Headquarter von Smoby Toys nach Lavans-lès-Saint-Claude fährt, hat er Zeit zum Nachdenken. Meistens herrscht wenig Verkehr auf den perfekten Straßen, im französischen Haute-Jura ist es einsam. Einsam und sehr schön, besonders im Sommer und wenn man unberührte, wildromantische Natur mag. Saftig grün die Weiden, unendlich die Wälder in der Hügellandschaft mit Höhenlagen bis zu 1.500 Metern, nur ab und an von kleinen Orten unterbrochen, die sauber und ruhig sind. Der Ökotourismus boomt hier, die Region lädt zum Wandern, Mountainbiken und Wassersport.
„Wir sind hier in the middle of nowhere“, sagt Thomas le Paul und lächelt dabei. Denn der Managing Director mag diese Gegend, etwas mehr als hundert Kilometer von Genf entfernt, die seit 20 Monaten sein Zuhause ist. Seit Anfang August fühlt sich der in Nantes geborene Franzose anders als bisher, wenn er zur Arbeit fährt. Als er aus dem Urlaub zurückkam, war da zum ersten Mal dieses großartige Gefühl, „wir schaffen das, das wird gut, der Grundstein ist gelegt, jetzt geht es um die Zukunft und darum, eine Vision zu entwickeln.“ Die Vision, wohin die Smoby-Reise geht.
Blick zurück nach vorn
Ähnlich beschreibt Manfred Duschl die aktuelle Situation. Der Chief Financial Officer der Simba Dickie Group, der Thomas le Paul die Verantwortung übertrug, Smoby wieder auf Erfolgsspur zu bringen, hat lange für seine Zuversicht gebraucht. „Ich bin mir sicher, Smoby wird unser Meisterstück“, kann er heute ganz entspannt den zurückliegenden Parforceritt Revue passieren lassen. „Ich hatte oft Zweifel und viele schlaflose Nächte, sehr viele“, gibt der sonst so zurückhaltende CFO offen zu.

Heute freut sich CFO Manfred Duschl über Smoby.
Zur Erinnerung: Smoby war jahrzehntelang Frankreichs Spielzeughersteller Nummer eins, mit einem Umsatz von 300 Millionen Euro in Hochphasen. In weltweit 18 Tochterunternehmen arbeiteten 2.300 Beschäftigte, mehr als 1.000 davon im Zentrum im Haut-Jura, das sich auf die Départements Jura, Doubs und Ain erstreckt. Expansionsgelüste und Missmanagement führten dazu, dass die Smoby-Berchet-Gruppe im März 2007 zahlungsunfähig war, ab Herbst 2007 unter Insolvenz- verwaltung und zum Verkauf stand. „Wir wussten natürlich davon, holten bereits Informationen ein“, so Manfred Duschl. Weil Smoby genau jenes Portfolio bot, das der Simba Dickie Group fehlte.
Im Dezember 2007 wandte sich die Fürther Geschäftsführung an den Insolvenzverwalter und pilgerte bereits im Januar nach Frankreich, um die Fabriken zu besichtigen, sich als Interessent vorzustellen und zu prüfen, ob Smoby noch zu retten sei. Es begann das größte Unterfangen in der bald 30-jährigen Historie der Simba Dickie Group. „Ich habe mich ständig gefragt, ob wir vielleicht größen- wahnsinnig geworden sind“, so Manfred Duschl heute. „Es ging nicht nur um Geld“, erzählt er. „Der neue Besitzer sollte dauerhafter Partner werden und möglichst viele Arbeitsplätze retten.“
Wunschkandidat Thomas le Paul
Die Geschäftsleitung der Simba Dickie Group wollte einen französischen Managing Director. Der Wunschkandidat hieß sofort Thomas le Paul. Er war Geschäftsführer von Simba Toys Italy in Mailand und hatte früher bereits für Berchet gearbeitet. Manfred Duschl besuchte ihn. „Ich war total schockiert“, sagt Thomas le Paul. „Ich fühlte mich geehrt, dachte aber, das ist eine Nummer zu groß für mich“, so der 33-Jährige im Nachhinein.
Am 7. März 2008 bekam die Simba Dickie Group den Zuschlag für die Smoby-Übernahme und zwei Wochen später saß le Paul in Lavans in der Smoby-Zentrale, wo ihn heute 150 Mitarbeiter umgeben. Er stürzte sich mutig in die gigantische Aufgabe. Anfangs war immer einer der drei Geschäftsführer an seiner Seite, erfahrene Mitarbeiter der Simba Dickie Group aus Deutschland und Spanien kamen zur Unterstützung.
Alles musste neu aufgebaut, Kunden und Märkte zurück gewonnen oder neu erschlossen werden. Ein Riesenkraftakt, „aber unbeschreiblich spannend“, sagt Manfred Duschl. Denn alle in Fürth glaubten an Smoby, an die einzigartigen Kreationen aus Kunststoff und die Strahlkraft für alle anderen Marken der Firmen- gruppe und an den Standort Europa. „Wir wollten unbedingt Produktion und Aus- lieferung fürs Weihnachtsgeschäft sichern“, hieß Duschls erstes großes Ziel.

Die Doppelkopfmaschine produziert stets paarweise Sandeimerchen und Gießkannen im Nemo-Design.
Motivation hieß das Zauberwort
Das Fürther Führungsteam stellte sich den Problemen behutsam, aber mit Nachdruck. Schnellstmöglich sollte das internationale Räderwerk wieder reibungslos arbeiten. Die Kompetenz und das Know-how der mehr als 450 verbliebenen Mitarbeiter waren da. Aber die komplette Organisation in den Fabrikanlagen sowie die Logistik mussten reaktiviert werden. Die Atmosphäre war angespannt, die Angestellten hatten den Glauben an Smoby und „Manager“ verloren. „Wir führten Gespräche über Gespräche, um Zuversicht zu verbreiten“, so le Paul.
Es ging auch um die ausländischen Tochterunternehmen. Die Smoby Gesellschaften in Hongkong, Italien und Spanien wurden übernommen, in Deutschland und England wurden neue Smoby Toys Gesellschaften gegründet. Die akute Phase dauerte sechs Monate, dann lief der Betrieb erst einmal wieder. „Nach einem Jahr gab es dann im Frühjahr die Belohnung“, sagt Thomas le Paul: „Wir wollten im ersten Jahr 100 Millionen Umsatz machen, was wir sogar noch leicht übertroffen haben.“

Managing Director Thomas le Paul besucht gern den großen Showroom.
Im Jura geht die Smoby-Sonne auf
Das erste Etappenziel ist erreicht. Smoby ist wieder Europas Marktführer bei den einzigartigen Outdoorprodukten wie den Riesenrutschen und Spielhäusern, bei den Miniküchen und Werkbänken aus dem Roleplay-Bereich. Smoby-Qualität und -Design sind weltweit einzigartig, die genialen, nämlich oft multifunktionalen Spielkonzepte sind unübertroffen. „Es wird schon noch ein paar Jahre dauern, bis das ein dauerhaft profitables Unternehmen ist“, so Manfred Duschl. Doch erste Synergie-Effekte mit den anderen Tochtergesellschaften sind spürbar, sei es bei Logistik, den Vertriebswegen oder der Produktentwicklung. Da sind die Franzosen einfach unschlagbar, wie das erste erfolgreiche Projekt zeigt – die Powerworker Sandfahrzeuge, die für BIG entwickelt wurden.
Das ist eines der wichtigsten Ziele, das extraordinäre Können der französischen Designer für alle Gruppenmarken zu nutzen. „Wir haben ein ‚center of competence‘ in Frankreich gegründet, das sich für alle unsere Unternehmen etablieren soll“, so Finanzmann Manfred Duschl. Dank Smoby können sie nun alles an einem Ort gestalten, also Produkte entwickeln von der Idee über die Gestaltung bis zum Werkzeugbau und zur Herstellung.
Thomas le Paul lobt sein Team, dass alles besser und besser läuft. Was noch ansteht, lässt sich gemeinsam meistern. Viel mehr beschäftigt ihn das Grundsatzthema: „Innovative Spielzeugideen zu finden.“ Denn nur das garantiert die erfolgreiche Zukunft im Jura. Und natürlich geht es auch um die private Seite seiner Smoby-Welt. „Ich mag das Jura, das Team und meine Arbeit. Aber ich wünsche mir, wieder mehr Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden.“ Damit er mehr mit seiner kleinen Tochter und den schönen Smobysachen spielen kann.

Das Smoby-Team auf der Terrasse im Headquarter in Lavans- lès-Saint-Claude.